Wie wichtig sind Autorenlesungen?

by - August 03, 2017


Die Tage habe ich einen Artikel auf der Website des Dienstes N24 gefunden. Dabei ging es hierbei um die Frage "Warum gibt es eigentlich noch Autorenlesungen?". 

Hierbei führte der Autor des Textes verschiedenste Punkte auf, die ich teils doch sehr fragwürdig finde. Hier mal eine grobe Zusammenfassung des Originalbeitrags:
  1. Der Leser muss sich dem Lesetempo des Autors ungewollt anpassen
  2. langweilige Passagen können nicht übersprungen werden
  3. Man kann nicht einfach aufstehen und gehen, ohne aufzufallen
  4. Autoren lesen teilweise sehr schlecht (dabei nahm er auch noch Stellung zu dem Aussehen der Autoren: teils dick und älter als erwartet)
  5. Autoren selber mögen keine Lesungen, sind aber gezwungen sie zu halten
Sein Fazit war es, dass Lesungen altmodisch seien und fast schon archaisch. (archaisch = aus alter Zeit stammend) 

Nun möchte ich gerne zu diesen Punkten Stellung nehmen:  

1. Der Leser muss sich dem Lesetempo des Autors ungewollt anpassen.
Nun bestreiten lässt sich der Punkt nicht. Der Leser muss sich anpassen, da ihm keine andere Möglichkeit bleibt. Ich selber lese sehr schnell und höre daher auch so gut wie keine Hörbücher, da es mir zu langsam voran geht, aber man ist ja auch einer Autorenlesung gerade WEIL man den Autor sehen und hören möchte. Daher nimmt man es auch in Kauf, wenn mal jemand langsamer liest. Außerdem gibt es einem so die Zeit, sich auf den Inhalt zu konzentrieren und ggfs. abzuwägen, ob das Buch für einen selber denn was sein könnte oder nicht. Würde der Autor zu schnell lesen, dann wäre man am Ende vielleicht verunsichert über das Buch oder bekommt einen Punkt nicht mit und glaubt, es läge am Buch. Zumal das Tempo auch Atmosphäre schafft. Würde der Autor das Buch nur so runterrattern, hätte man doch als Leser das Gefühl, dass der Autor keine Interesse daran hat. 

2.) langweilige Passagen können nicht übersprungen werden
Nun klar, ich habe auch schon erlebt, dass mich eine Textstelle nicht direkt angesprochen hat, aber eine Lesung geht auch keine zwei Stunden - mit Ausnahme vielleicht von Großveranstaltungen für die man ggfs. Tickets kaufen muss. Da sollte man es ja wohl schaffen einfach die halbe Stunde zuzuhören. In der Schule oder teilweise im Beruf ist das ja nicht anders. 
Und mal ganz ehrlich, wenn man ein Buch liest das einem super gefällt und mal eine Szene kommt die vielleicht etwas "langweiliger" ist, dann lege ich das Buch ja auch nicht schlagartig weg und liest nicht weiter. Das kann passieren, ist aber kein Hals und Bein Bruch. 

3.) Man kann nicht einfach aufstehen und gehen, ohne aufzufallen.
Naja im Grunde kann man immer gehen. Klar bekommen es die anderen mit  - vielleicht auch der Autor / die Autorin - aber entweder nimmt man das in den Kauf oder lässt es eben sein.
Ich denke bevor man sich Lesungen anhört, erkundigt man sich grob worum es geht in dem Buch und kann abschätzen, ob es einen interessiert oder nicht. Ich würde z.B. weniger in eine Vorlesung eines Krimis gehen, da mich das Genre nur wenig anspricht. 
Dabei muss man auch wieder unterscheiden, wie groß die Menge der Zuhörer ist. Bei äußerst vielen Lesungen z.B. auf der Frankfurter Buchmesse, gehen viele ohne das man es merkt. Bei kleinen Lesungen fällt es zwangsläufig auf. 
Grundsätzlich verstehe ich die Angst davor, dass alles es mitbekommen und man Ende schlecht da steht, aber das ist nun mal das Risiko, welches man eingeht. Augen zu und durch, sage ich da nur! 
Und wenn einen Lesungen ganz Allgemein nicht ansprechen oder interessieren, dann gehe ich erst gar nicht hin! 

4.) Autoren lesen teilweise sehr schlecht (dabei nahm er auch noch Stellung zu dem Aussehen der Autoren: teils dick und älter als erwartet)
Nicht jeder der schreibt ist unbedingt der perfekte Vorleser. Zum guten vorlesen gehört mehr dazu als nur ein paar aneinander gereihte Buchstaben vorzulesen. Betonung, Tempo, Kontakt zu den Zuschauern, Aussprache, Deutlichkeit, Lautstärke ... ach so viel! Und klar nicht jeder beherrscht dies perfekt, aber Übung macht den Meister. Wie soll der Autor ohne Übung denn besser werden? Und ein Publikum das sich Gegen den Sprecher wendet oder gar nicht richtig zuhört ist da auch nicht hilfreich. Monotones Sprechen kann langweilig sein, aber versucht doch einfach auf den Inhalt zu konzentrieren. Lausche der Geschichte, nicht dem Sprecher. Schwierig, aber durchaus machbar. Glaubt mir, ich habe es ausprobiert! 
Nun mal zu dem kleinen Unterpunkt bezüglich des Aussehens, welchen der Herr ansprach. Da bin ich fast vom Stuhl gefallen. Also wirklich! Es geht doch nicht darum wie ein Mensch aussieht. Soll mir doch einer mit 100kg sein Buch vorlesen. Wenn juckt es ob er nun 100kg oder 60kg wiegt. Das hat doch mit dem Buch absolut gar nichts  zu tun. Solange das Buch gut ist, soll der Autor doch aussehen wie er will. Meine Güte, so einen, ich nennen es jetzt mal wie es ist, dummen Gedanken habe ich schon lange nicht mehr gehört. 




5.) Autoren selber mögen keine Lesungen, sind aber gezwungen sie zu halten.
Ich bin kein Autor und kann dazu keine direkte Stellung beziehen, aber ich finde es schon ziemlich krass einem Autor unterstellen zu wollen, er habe keine Lust auf die Vorlesung. Womöglich gibt es Autoren die dies nur tun, weil sie es müssen - es ist eben eine Art der Werbung und auch der Kontakt zu Lesern ist wichtig. Aber ich denke es gibt genug Autoren die sich freuen und auch die Reaktion der Leser kaum abwarten können. 

Fazit:  Lesungen sind altmodisch seien und fast schon archaisch
Ich glaube der Herr hat bisher nur "schlechte" Lesungen erlebt oder gar keine besucht. Es ist immer wieder toll die Geschichten aus dem Mund derjenigen zu hören, die sie selber geschrieben haben. Sie betonen noch mal ganz anders als wir Leser das machen, erzählen die Geschichte auf ihre Art und Weise, wie nur sie es können. Nein, sie sind absolut nicht altmodisch. In Zeiten des Fernsehens und Internets, finde ich Lesungen umso wichtiger. Der direkte Kontakt zu Menschen - zu den Lesern und zu den Autoren. Sowas gibt es nur noch viel zu selten! 

Meiner Meinung nach hat der gute Herr Wolf keine Ahnung wie viel Bedeutung einer Autorenlesung zugerechnet werden kann. Wie wichtig sie ist und wie spannend sie sein kann! Den Autoren live zu erleben ist für viele Leser ein Traum. Wer würde nicht gerne mal J.K.Rowling, George R. Martin, Sarah J. Maas oder oder oder zuhören?! Mal abgesehen von vielen Autoren bei denen dies leider nicht mehr möglich ist. Jane Austen, Tolkien, Shakespeare und so weiter.
Lesungen ermöglichen es das Gefühl zu haben, den Autor zu kennen - auch wenn dem wohl eher nicht so ist. Man trifft Unbekannte, die das selbe hören und vielleicht sogar das selbe Buch lieben. Man kann sich im Anschluss austauschen und lernt so neue Menschen kennen. Teilweise gibt es ja auch Lesungen mit anschließendem Autorengespräch. Da kann man dem Autor / der Autorin die Frage stellen, die man vielleicht immer mal stellen wollte. Nein, ich erachte Autorenlesungen als wichtig und eine tolle Sache.

Danke an all die wunderbaren Autoren die uns ihre Geschichten vorlesen! Wir lauschen euch gerne!


Was denkt ihr zu dem Thema? Findet ihr Lesungen unwichtig? Was denkt über die Aussagen, die der Artikel aufwirft.

Gelangt hier zum Originalartikel:
N24, Herr Michael Wolf, 13.09.2016

Eure,


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13 Kommentare

  1. Hallo Sinah,
    also ich bin bei den Gedanken dieses Herren auch fast vom Sessel gekippt! War dieser Mann jemals bei einer Lesung? Und absolut untergriffig finde ich die Aussage, dass der Autor oder die Autorin auch noch gut aussehen soll...also bitte! Was hat das mit dem Buch zu tun, dass der Autor/die Autorin geschrieben hat?
    Und wir Blogger werden immer wieder von diversen Journalisten angegriffen, dass wir keine richtigen Rezensenten sind und zu voreingenommen....hallo?
    Also ich finde diese Aussagen wirklich als eine Frechheit! Nun würde ich wirklch gerne wissen, was hier einige Autorwen dazu zu sagen haben....
    Liebe Grüße
    Martina
    http://martinasbuchwelten.blogspot.co.at/

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    1. Hallo Martina,
      genau so hab ich auch reagiert!! Daher auch der Beitrag. Ich finde es eine Frechheit einen Autoren auf sein Aussehen zu reduzieren und zu behaupten Lesungen seien aus der Mode. Ich finde sie gerade heute wichtiger denn je! Jeder kann sich eine Leseprobe runterladen, aber es live zu erleben ist doch was ganz anderes. Eine ganz andere Atmosphäre.

      Auch die Vorurteile gegenüber Bloggern wollte ich denmächst mal thematisieren, bin nur mit dem Beitrag noch nicht zufrieden :D

      Und ja, die Meinung der Autoren wüsste ich auch zu gerne!

      lg
      Sinah

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  2. Liebe Sinah
    Ich selber habe diesen Artikel auch gelesen und dachte an vielen Stellen genau das gleich wie du. Auf Lesungen geht man immer freiwillig. Niemand ist dazu gezwungen und meist weiß man ja was einen erwartet. Der Autor des Artikels hat wohl weniger Ahnung als er meint.

    Lesungen besuche ich wirklich sehr gerne. Man hat einfach die Chance zusammen mit dem Autor in die Geschichte einzutauchen. Natürlich ist niemand ein Meister, aber wie du schon sagst, ohne Übung kann es auch nicht besser werden.

    Danke für deine schöne "Argumentation".

    Liebe Grüße, Becca.

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    1. Hallo Becca :)
      Genau, man geht freiwillig! Kann ja bei jeder anderen Veranstaltung genau so sein, dass man sich langweilt oder so. Egal ob Kino, Fußball, Theater oder oder oder. Das ist eben das Risiko :D

      Lg
      Sinah

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  3. Hallöchen Sinah =)

    Ich muss ja echt grinsen! Was hast du denn da für einen sonderbaren Artikel ausgegraben? Ich bin ja echt froh, dass ich den verpasst habe. Ich muss mich doch wirklich sehr wundern.
    Ich habe schon einige Lesungen erlebt und ich finde sie einfach großartig! Den Autor zu erleben, wie er selbst sein Buch vorstellt, daraus liest und vielleicht auch noch etwas über sich erzählt, das finde ich großartig. Das ist sicher nicht so leicht für jeden, aber die Autoren, die ich bisher erlebt habe, waren allesamt absolut motiviert und liebenswürdig.

    LG
    Anja

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    1. Hallo Anja,
      hahaha ja das war echt mega Zufall :D Ich hab nach Autorenlesungen in der Umgebung geschaut und zufällig wurde mir dieser Artikel angezeigt :D

      Ja, so geht es mir auch. Ich hab zwar schon eine seeeehr monotone Lesung erlebt, aber ich hatte dennoch das Gefühl, dass der Autor motiviert war. Nur eben monoton. Aber ich fands jetzt nicht so schlimm, dass ich flüchten musste :D

      lg
      Sinah

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  4. Hallo Sinah,
    danke für diesen Beitrag.
    Den Originalbeitrag habe ich nicht gelesen, aber nachdem, wie du ihn grob zusammengefasst hast, möchte ich das glaube auch gar nicht mehr.
    Welcher Punkt mich eigentlich am meisten aufregt, ist sein Kommentar zwecks des Aussehens...Da hat es mir echt die Sprache verschlagen!
    Klar ist es mir auch schon passiert, dass der Autor nicht so aussah wie beim Autorenfoto bei Amazon, Facebook oder sonst wo. Aber hat es mich gestört oder hat die Lesung dadurch versaut? Auf keinen Fall! Denn das Aussehen hat ja nichts am Buch geändert.
    Ich mag Lesungen eigentlich sehr gerne.
    Ich finde es immer wieder spannend, wie Autoren lesen und dazu auch oft Sachen erzählen, die man ansonsten nicht erfahren hätte.
    Klar gab es auch schon Lesungen, wo der Autor sich verhaspelt hat oder halt sehr monoton gelesen hat. Aber wenn er da noch nicht viel Erfahrungen hat, kann das vorkommen.
    Ich möchte z.B. nicht vor vielen Leuten vorlesen. Ich würde da wahrscheinlich kein Wort rausbekommen xD

    Ich finde es ziemlich schade, dass es einen solchen Beitrag gegen Lesungen gibt. Denn Leute, die noch nie eine besucht haben, könnte das natürlich abschrecken =/

    Liebe Grüße
    Andra

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    1. Hallo Andra :)
      Ja, der Punkt bezüglich des Aussehens hat mich auch ziemlich aufgeregt. So eine Aussage kann ich nicht mal ansatzweise nachvollziehen. So selten ist es ja nicht, dass man etwas anders aussieht als auf dem Foto. Man nimmt ja schließlich eins wo man möglichst von seiner besten Seite präsentiert wird.

      Ich gehe auch gerne zu Lesungen und ich selber würde vermutlich viel zu schnell lesen :D ich glaube ich wäre auch nicht die beste für den Job xD

      Und ja deine letzten Satz kann ich so unterstreichen! Das ist echt schade!!

      lg
      Sinah

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  5. Hallo Sinah,

    was für dämliche Argumente :-( Es geht um Bücher und den Menschen dahinter. Sich am Aussehen oder dem Alter zu stören finde ich schon erschreckend.
    Ins Theater geht der Herr wahrscheinlich auch nicht, oder? Da sind Menschen, die haben ein Alter, ein Aussehen und sprechen in ihrem Tempo ...

    Bei einer Lesung geht es doch um viel mehr, als das Zuhören, nämlich darum, den Autor kennen zu lernen.

    Ich finde es schön, dass es diese Möglichkeit gibt.

    liebe Grüße
    Stephanie

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    1. Hallo Stephanie :)
      Ja das mit dem Theater habe ich mir auch schon gedacht. Ist ja eigentlich bei allen Veranstaltungen die man besucht. Auch im Kino kann ich mich langweilen oder bei Sportveranstaltungen.

      Ja, ich bin auch froh, dass es diese Chance gibt :)

      lg
      Sinah

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    2. Stimmt, bei vielen Veranstaltungen kann man sich langweilen, das größte Risiko sehe ich aber dann doch auf Dauer alleine zu Hause ;-)

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  6. Hey Sinah,

    wenn ich solche Artikel schon vom Weiten sehe, dann klicke ich sofort weg. Ich würde mich nur aufregen. :D

    Ich war schon bei einigen Lesungen und fand sie toll. Es ist einfach was ganz anderes, wenn der Autor/die Autorin noch persönliches mit einbringt. Sowas ist eben nur in Lesungen möglich und ich möchte das gar nicht missen.

    Ganz lieben Gruß
    Steffi
    www.angeltearz-liest.de

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    1. Hey Steffi :D
      Ja, ich bin leider neugierig geworden :D und hab mich aufgeregt xD

      Ja, bin da ganz deiner Meinung. Gerade heute wo jeder eine Leseprobe runterladen kann, finde ich Lesungen umso wichtiger :)

      lg
      Sinah

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