Rezension: Unter schwarzen Federn - Sabrina Schuh

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Hallo ihr Lieben,
vor einer Weile habe ich das Buch "Unter schwarzen Federn" von Sabrina Schuh beendet. Inhaltlich geht es um Fee, welche stark unter dem Mobbing ihrer Mitschüler leidet,
sowie familiären Problemen bei sich Zuhause. Als sie ihrem Leben letzendlich ein Ende setzen will, funkt Markus dazwischen. Plötzlich findet Fee sich in einer Klinik wieder,
welche ihr Leben für immer verändern könnte. Doch kann eine Therapie wirklich helfen? Fee ist unschlüssig...

"Unter schwarzen Federn" ist übrigens eine freie Märchenadaption des "hässlichen Entleins" von Hans Christian Andersen. 

Bevor ich euch meine Rezension zum Buch zeige, erkläre ich euch erst mal das Dilemma, in welches mich das Buch gebracht hat. Denn die Rezension zu schreiben, war alles anderes als leicht.
Ich habe sogar die Autorin angeschrieben um meine Situation zu erklären.... 

Das Buch behandelt ein enorm wichtiges Thema: Mobbing und dessen Folgen. Nun muss ich dazu sagen, dass ich mich mit Mobbing wohl sehr gut auskenne. Jahrelang durfte ich mir
Beleidigungen wie "Du AIDS krankes Opfer", "Weißwurst", "geh sterben" etc. anhören. (Nein ich habe übrigens kein AIDS, war nur einfach oft krank.. nicht das hier bald Gerüchte
umgehen. Und Weißwurst kam von meiner sehr hellen Haut). Daher kann ich mich in Fee's
Situation sehr gut hineinversetzen. Doch wenn es um das Thema Therapie geht, da fiel es mir wirklich schwer zu beurteilen, ob diese gut beschrieben / recherchiert wurde - oder
eben nicht. Ich stand also vor dem Problem das Buch zu bewerten, obwohl ich mich mit dem Inhalt zu wenig auskenne. Zumindest mit einem Teil davon. 
Nun trifft dies natürlich auf die meisten Bücher zu. Ich meine, wenn ich z.B. etwas lese über Schertkampf, dann kenne ich mich damit ja auch nicht wirklich aus. Dennoch hatte
ich das Gefühl, dass ich dies wissen MUSS, um das Buch angemesen zu beurteilen. Tja, da saß ich nun also vor dem leeren Dokument am PC und wusste nicht, was ich schreiben soll.

Nach einigem Hin und Her, ist nun diese Rezension entstanden... Ich hoffe, ihr könnt meine wirren Gedanken nachvollziehen - denn selbst mir fiel es schwer zu verstehen, was ich eigentlich denke.

Rezension:
"Unter schwarzen Federn" konnte mich thematisch überzeugen. Das Thema Mobbing ist ein äußerst wichtiges Thema, dass nach wie vor oft nicht ernst genommen wird. Besonders die Folgen, welche
daraus entstehen. Wie "krank" jemand durch andere Menschen werden kann, wird oft unterschätzt. Scheinbar "harmlose" und "lustige" Kommentare können bei der betroffenen Person für großen 
Schaden sorgen. "Unter schwarzen Federn" zeigt, was passiert wenn ein Mensch nicht mehr kann - wenn er Hilfe braucht. In Fees Fall ist es Markus, welcher übrigens selber sein Päckchen mit sich
rumträgt. Sabrina Schuh behandelt das Thema offen und ehrlich, sie verschönert es nicht. Sie zeigt, wozu Verzweiflung einen Menschen bringen kann: Angst, Hass, Wut - Selbstmord. 

Doch hier endet die Geschichte nicht, denn Sabrina Schuh lässt die Geschichte eine andere Richtung einschlagen und greifft meiner Meinung nach ein Thema auf, welches nach wie vor 
ein Tabu ist. Therapie. Auch Fee ist von dem Ganzen abgeneigt, hat Zweifel und hält es für sinnlos. Eine Einstellung, welche viele haben. Fee spiegelt daher die Gedanken vieler Menschen
wieder.
Ob nun die im Buch beschrieben Therapie thematisch / inhaltlich / methodisch richtig ist, kann ich nicht beurteilen, aber ich finde es toll, dass es thematisiert wird. Das es zeigt,
dass eine Therapie kein Ort für "Verrückte" ist, 
sondern ein Ort der Hilfe und des Selbstfindens. Ich finde es immer wieder toll, wenn solche Tabu-Themen angesprochen werden. Zu viele trauen sich nicht eine Therapie anzunehmen,
doch "unter schwarzen Federn" zeigt, dass es sich lohnt.

"Die Welt da unten war zu fremd, zu grausam, zu schmerzhaft. Mein Verstand löste sich auf, verschwand in der Unendlichkeit zwischen Zeit und Raum."

Nun klingt das alles sehr düster - doch das Buch ist wunderbar geschrieben. Der Schreibstil ist leicht, locker und flüssig. Die Seiten fliegen nur so dahin. Obwohl das Thema also 
ein sehr trauriges, kaltes und bedrückendes Thema ist, schafft die Autorin es, eine Art Leichtigkeit in das Buch zu bringen. Die düsteren Momente werden durch wirklich schöne
Momente aufgelockert. 

Fee und Markus sind zwei tolle Protagonisten, wenn mir auch ihre Geschichte etwas zu schnell ging. Da hätte ich mir ein paar mehr Seiten gewünscht. Mal ganz abgesehen von Fees Wandel,
welcher ja unumgänglich ist im Hinblick auf die Handlung, finde ich auch Markus Charakterentwicklung klasse. Er verkörpert, was viele denken. "Nicht mein Problem"... Viele sehen es,
aber keiner hilft. Markus findet sich plötzlich genau in dieser Situation wieder und seine Ängste im Hinblick auf diese Situation sind gut erläutert. Die Gedanken eines Teeangers,
welcher dazugehören will und daher nicht mit den "uncoolen" Leuten abhängen mag, werden in Markus gut verkörpert. Doch wie gesagt, macht nicht nur Fee macht einen Prozess durch - auch Markus. 
Tja und so stellt Fee plötzlich seine Welt auf den Kopf. 


Fazit:
"Unter schwarzen Federn" ist für mich inhaltlich ein absolutes "Must Read". Die Themen Mobbing, Therapie und Selbstmord werden offen aufgegriffen und in eine schöne Geschichte
eingearbeitet. Man sollte jedoch bedenken, dass dies sehr ernste Themen sind und nicht für jeden geeigent. Auch wenn Sabrina Schuh es wirklich schafft, aus einem düsteren Thema
eine gute Mischung aus Ernsthaftigkeit und lockerer Handlung zu machen, so ist es doch ein sehr emotionales Buch.
Doch gerade durch das Aufgreifen der Tabuthemen, kann das Buch wirklich überzeugen. Etwas mehr Länge hätte dem Buch jedoch gut getan. 

WEITERE REZENSIONEN ZUM BUCH:

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Unter schwarzen Federn
Autorin: Sabrina Schuh
Erscheinungstermin: 13.02.2018
Seitenanzahl: 312
ISBN: 978-3961117017
Preis: 9,99€ (Print), 2,99€ (eBook)

Klappentext:
Eine schnatternde Meute Teenager
Eine unscheinbare Außenseiterin
Eine Verwandlung unter Tränen

Fee’s Leben ist die Hölle. Auch der Wechsel an die neue Schule bringt keine neuen Chancen, sondern nur Psychoterror und Ausgrenzung. Eines Tages spitzen sich die Dinge so zu, dass Fee nur noch einen Ausweg sieht; und der ist endgültig. Statt sie jedoch von ihrem Leben zu erlösen, bringt der von Markus vereitelte Selbstmordversuch sie in die Therapie. Wird sie es mit seiner Hilfe schaffen, ihren Lebensmut wiederzufinden oder wurde sie bereits zu tief verletzt?

In "Unter schwarzen Federn" spinnt Autorin Sabrina Schuh mit den Elementen von Andersens hässlichem Entlein eine düster-romantische Geschichte über Ausgrenzung, Todeswünsche und den schweren Weg eines jungen Mädchens, auf der Suche nach ihrem wahren Selbst.

Quellenangaben des Covers:
Märchenspinnerei