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Montag, 1. April 2019

Mit dir stimmt etwas nicht! | Wieso ich dieses Gefühl kenne

[WERBUNG] Am 2.4 findet der Welt-Autismus-Tag statt und passend zu diesem Tag erscheint heute das Buch Ein Tor zu eurer Welt bei Droemer Knaur. Bei mir ist es bereits eingetroffen und ich habe bereits begonnen es zu lesen - und finde es bisher sehr spannend.

Und übrigens findet morgen eine Release-Party auf Facebook statt, bei der euch spannendes Programm erwartet!! Schaut auf jeden Fall vorbei, es lohnt sich. Neben einem Film gibt es auch Bücher zu gewinnen. KLICKE HIER um zur Veranstaltung zu gelangen.

Das Buch
Zusammen mit Droemer Knaur, der Agentur MainwunderAaron Wahl und weiteren Bloggern, möchten wir euch dieses wunderbare Buch näher bringen und auf das Thema Autismus aufmerksam machen.
Falls euch das Buch anspricht, könnt ihr es ab heute online sowie in allen Buchläden erhalten.

Menschen mit Asperger-Syndrom können Gefühle nicht deuten und vermitteln. Das macht sie zu Außenseitern und oft zu Gefangenen ihrer eigenen Wahrnehmungswelt. Aaron Wahl kennt diesen Zustand. Doch er kämpft gegen die Isolation an. Als er bei einem Emotionstraining erfährt, wie sich Angst, Freude und Trauer anfühlen, ist das für ihn ein lebensverändernder Durchbruch. Aaron schafft es, den Tod seiner geliebten Großeltern zu verarbeiten und eine Brücke zu seinen Mitmenschen zu schlagen. Er lernt die bunte Seite des Lebens kennen. 

Auf Grund der Thematik des Buches, möchte ich mich heute mit dem Thema Mit dir stimmt etwas nicht auseinandersetzen. Oder anders gesagt: Anders sein.

Mit dir stimmt etwas nicht!
In seinem Buch erzählt Aaron Wahl, dass ihm jahrelang vermittelt wurde, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Das er anders sei. Daraufhin versuchte er so zu tun, als sei er normal. Als sei er wie alle anderen. Doch das Lügen fällt ihm schwer und so stellt er schon bald seine komplette Wahrnehmung in Frage. 

Nun habe ich selber kein Autismus, kann aber die Situation bzw. die Gefühle Aaron Wahls sehr gut nachvollziehen. Dieser Beitrag wird ein sehr persönlicher Beitrag... so viel vorweg. 

Denn auch ich kenne das Gefühl sehr gut, wenn einem vermittelt wird man sei anders oder mit einem stimmt etwas nicht. Mittlerweile bin ich zwar der Meinung, dass ich diese Situation des Zweifels hinter mir gelassen habe und so bin wie ich bin, doch es gibt auch noch Momente, wo ich in alte Muster zurück falle. Dann erinnert mich mein Kopf an all die Dinge von früher und es fällt mir schwerer, zu meiner Meinung zu stehen. Offen kund zu geben, was mir gefällt und was nicht. Es kommt nicht mehr oft vor, aber dieses kleine "Monster" hat sich nach wie vor tief in mir verankert. Doch ich muss früher ansetzen, damit ihr wisst wovon ich spreche. 

Wie alles begann...
Bis zur 6. Klasse war alles in bester Ordnung, ich war immer etwas schüchtern gewesen aber dies hatte sich nach und nach gebessert. Nun entwickelte ich mich jedoch in eine komplett andere Richtung als meine Mitschüler. Während sie sich eher für Rap, Hip-Hop, Filme und Serien die z.B. aus Amerika kamen interessierten, hörte ich eher japanische Musik, las Mangas und schaute Animes. Dazu kam, dass ich oft krank war, da ich als Kind mit offenem Bauch geboren wurde und bis ich vierzehn war Probleme mit Magenschmerzen hatte. Was übrigens zu einer OP führte, wonach es besser war. 
Für die anderen war ich ein Außenseiter - zumindest gaben sie mir stets das Gefühl. Und so harmlos dies auch im ersten Moment klingt, so war dies eine Zeit, auf die ich wirklich gerne verzichtet hätte. 

Ich saß bestimmt ein Jahr lang in der Pause alleine in der Bibliothek herum und habe gemalt, stand vor dem Lehrerzimmer und tat so als würde ich auf einen Lehrer warten. Ja, die Zeit war nicht einfach. Wenn ich mich wehrte gegen die Beleidigungen oder gegen das Auslachen, wurde gelacht und weitergemacht. Ich zog mich immer mehr zurück, hatte morgens vor der Schule Magenschmerzen, weinte viel und wollte bloß nicht in die Schule gehen. Hierbei möchte ich einmal die herzallerliebste Aussage meines kleinen Bruders Zeit zitieren. Zu de Zeit war er ca. 10 Jahre :

"Wenn dich einer ärgert, sagst du mir Bescheid. Keiner soll dich ärgern." 

Das passt jetzt vielleicht inhaltlich nicht hier rein, aber diese Aussage ist bei mir bis heute hängen geblieben. Er schenkte mir im übrigen in diesem Moment auch ein Schreibblock mit einem Pferd drauf... das nur am Rande. Danke Niels!

Sobald ich mal versuchte aus diesem Kreis zu entkommen und meine Meinung vertrat, wurde es meist schlimmer. Dies ging so weit, bis ich damals in ICQ angeschrieben und beleidigt wurde. Ich wurde als "Aids-Kranke die kein Immunsystem hat" (wahres Zitat!) bezeichnet. Ihr könnt euch vorstellen wie es einem dabei geht. Wie viele Nächte ich geweint habe und wie schwer es mir gefallen war, Tag für Tag in die Schule zu gehen. Es gab Tage wo ich einfach nicht mehr konnte, nicht mehr wollte. Und doch habe ich stets weitergemacht. 
Ich war keine schlechte Schülerin, meistens fleißig und gerne von den Lehrern gelobt - ja das kam natürlich auch nicht gut an. 
Ich muss mir aber bei manchen Dingen auch selber die Schuld in die Schuhe schieben. Ich habe die Hausaufgaben anderer gemacht und immer nachgegeben. Das war dumm! Und es war es nicht mal wert, denn es hat natürlich nichts gebracht - außer das mich alle ausgenutzt haben. Und wenn ich doch mal nein gesagt habe, plagte mich mein schlechtes Gewissen. Was ein Schwachsinn - doch das weiß ich erst heute.

Mit der Zeit entfernte ich mich immer mehr von dem was ich eigentlich gerne mochte. Animes, Mangas, japanische Musik. All das verdrängte ich und begann mich mehr mit der westlichen Welt auseinander zu setzen. Das was alle anderen mochten. Aber den Ruf den ich hatte, wurde ich kaum los. Ich konnte machen was ich wollte. 

Wie sich alles änderte
Nun stellt sich natürlich die Frage, wie ich aus diesem Teufelskreis fand, denn offensichtlich habe ich das. Sonst hätte ich vermutlich wohl keinen Blog auf dem ich MEINE Meinung zu Büchern schreibe. 

Für mich gab es genau zwei Schlüsselmomente die mir halfen. Es begann mit einem Praktikum in New York. Was? Ja.  Mein Vater organisierte mir damals ein Praktikum und so ging es zwei Wochen während des Unterrichts (natürlich mit Erlaubnis der Schule) nach Manhattan. Und hier gab es zwei Situationen...

1. Moment
1.) Ich wurde einfach so angenommen wie ich war. Ich stellte mich vor und zack war ich Teil des Teams. Ich musste mich weder verstellen noch sonst etwas. Ich hatte wunderbare Gespräche mit meinen Kollegen, die mir Mut gaben und mich bestärkten. Die mir sagten, wie gut ich alles mache und wie schade sie es fänden, als die zwei Wochen vorbei waren. Ob dies nun immer der Wahrheit entsprach weiß ich nicht, aber ich habe mich wohl gefühlt und aufgenommen. Ich fing an zu grübeln. 

2.) Es lief japanische Musik im McDonalds... what? Ich wollte eigentlich nur zur Toilette, bin aber wie erstarrt stehen geblieben. Dort in dem bunten Misch-Masch aus Nationalitäten war es natürlich ganz normal. Niemand beachtete die Musik sonderlich, sie lief einfach im Hintergrund aber das war mir egal. Es war real. Es war hier. Ich war hier. 

So, dies war der erste Schlüsselmoment. Es gab mir einfach Mut. Wenn andere mich so akzeptieren konnten wie ich war, dann sollte das doch auch in Deutschland möglich sein. 

2. Moment
Ich kam also wieder und trat dem Komitee für die Dekoration der Aula bei. Für unseren Abschluss natürlich. In dieser Gruppe hatten wir einfach so viel Spaß und ich öffnete mich mehr. Ich fand Freunde. Eine von ihnen gehört bis heute zu meinen besten Freundinnen - obwohl ich sie eigentlich schon seit der 4. Klasse kenne. Ja Madeline, du bist gemeint. Danke für alles! 

Ab dem Zeitpunkt sagte ich mir "Scheiß drauf", ich zog es durch. Beendete die Realschule und versuchte im Abi neu anzufangen. Das klingt jetzt so wahnsinnig einfach - war es aber durchaus nicht. Ich musste viel, sehr viel, an mir arbeiten. Musste lernen meinen Mund aufzumachen. Lernen meine Meinung zu vertreten - und wie ich oben bereits sagte, es gibt Tage da fällt es mir schwerer. Besonders wenn es um Dinge geht, die vielleicht doch nicht so populär sind. Umso mehr freut es mich, dass ich heute wieder zurück finde zu einigen dieser Dinge. Ich lese wieder Mangas und mittlerweile auch Comics. Für mich ist es ein wenig so wie heimkehren. Japanische Musik höre ich nicht mehr, aber ich besitze sie noch und ab und zu höre ich mal rein. Auch wenn es nur ein paar Minuten sind.... 


Was ich sagen möchte
Ich richte mich nun an all diejenigen die meinen andere klein machen zu müssen. Denkt nach bevor ihr sowas tut. Ihr seid nicht groß, nur weil ihr andere klein macht. Im Gegenteil. Stärke zeigen bedeutet offen zu sein, für andere da zu sein, andere zu respektieren und zu akzeptieren. Und wenn ihr jemanden nicht mögt, dann ist das natürlich okay. Man kann nicht jeden mögen. Aber eben den Menschen achten und ihn nicht in eine Lage treiben, aus der manche nicht mal alleine finden können. Ihr wollt nicht die Person sein, weswegen sich ein Mensch das Leben nimmt, wegen der ein Mensch gesundheitliche Probleme bekommt oder für immer geschädigt ist. Wer will das schon?

Mobbing bringt nichts!

Es ist gut, dass wir alle anders sind. Wie langweilig wäre es denn, wenn wir alle gleich wären? Tauscht euch aus und ihr werdet sehen, dass man bestimmt Gemeinsamkeiten finden kann. Wenn es auch nur oberflächlich bleibt. Keiner zwingt euch mit jemandem befreundet zu sein, aber Respekt sollte dennoch Teil des Zusammenlebens sein. Gebt einem Menschen nicht das Gefühl nichts wert zu sein. Denn daraus entsteht nur Trauer und Wut - und glaubt mir, ich kann diese Wut nach wie vor spüren und wenn ich es könnte und wollen würde, würde dieser Beitrag mit ganz anderen Wörtern geschrieben werden. Aber das bringt weder mir was noch sonst wem. Und dann wäre ich nicht besser, als diejenigen, die mir solche Wörter an den Kopf warfen. 

Respekt, Toleranz und Akzeptanz. Das ist was wir brauchen. Egal ob jemand für seine Interessen ausgeschlossen wird oder aufgrund von Autismus. Jeder Mensch verdient es geliebt und respektiert zu werden. Auf seine Art. 
Aber es geht nicht nur darum, dass andere einen akzeptieren. Auch man selbst muss sich selber lieben können und akzeptieren. Wenn man nicht zufrieden ist, sollte man was ändern aber der erste Schritt ist immer, dass man selber akzeptiert wer man ist. Mit allem was dazugehört. Steht zu euch selber. Lasst euch nicht verdrehen!! 

Ich bin ich. Ich habe Ecken und Kanten. Und ich bin richtig so wie ich bin. 
Du bist du. Du hast Ecken und Kanten. Und du bist richtig so wie du bist. 

Eure,

Kommentare:

  1. Liebe Sinah,
    Ich weiß genau, wie du dich fühlst, weil ich ähnliches durchgemacht habe.. Danke für deinen offenen, ehrlichen und mutmachenden Beitrag <3
    Du bist gut so, wie du bist. Lass dir nie wieder etwas anderes einreden! Und wie cool ist bitte so ein Praktikum in New York?

    Ich drück dich <3

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Rica ♥
      Danke, und das selbe kann ich nur so an dich zurück geben! :-*

      Und ja, das war schon echt cool hahaha :D und einfach nur pures Glück!

      Sinah ♥

      Löschen

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