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Samstag, 17. August 2019

Kurzrezension | Swing Time - Zadie Smith


[Rezensionsexemplar] Vor einiger Zeit habe ich im Katalog des Kiwi Verlags geblättert und dabei Swing Time von Zadie Smith entdeckt. Thematisch wirkte es mich brandaktuell und gerade aktuell sind ja die Coming-of-Age-Romane, sowie Own Voice Romane, echt beliebt. Also wollte ich dem Ganzen mal eine Chance geben. Bevor ich euch aber meine Meinung zum Buch mitteile, hier erst mal der Klappentext für euch.

Klappentext
Beim Tanzunterricht lernen sich zwei kleine Mädchen kennen und werden Freundinnen. Beide träumen davon, Tänzerinnen zu werden. Doch nur die eine hat Talent. Die andere hat Ideen: über Rhythmus und Zeit, über schwarze Haut und schwarze Musik, über Stammeszugehörigkeit, Milieu, Bildung und Chancengleichheit.

Rezension
In Swing Time begleitet man die namenlose Ich-Erzählerin von ihrer Kindheit ins Erwachsenenalter. Sie berichtet dabei von ihrer Kindheitsfreundin Tracey und ihrer Zeit als Assistentin. Zudem dreht sich viel um Themen wie Leben, Freundschaft, Tanz und Zukunft. Alles sehr ruhige Themen, was der Atmosphäre des Buches entspricht. Denn es ist keine rasante, aufregende Geschichte, sondern sie ist eher still und melancholisch.
Doch bei diesen Themen bleibt es nicht, denn die Autorin schafft eine Geschichte, die sich ebenfalls auf Chancengleichheit, Rassismus, Emanzipation, Freiheit und Bildung konzentriert und besonders  die Unterschiede zwischen der "Weißen" und der "Schwarzen" Bevölkerung hervorheben möchte. Sie geht diese Themen eher kritisch an und möchte den Leser zum Nachdenken anregen. Leider wurden es mit der Zeit einfach zu viele Handlungsstränge und diese verliefen dann auch ins Leere. Ich glaube hier hätte dem Buch einfach weniger sehr gutgetan.




Zusätzlich hat mir die eigene Meinung der Ich-Erzählerin gefehlt. Sie analysiert viel ihre Mitmenschen, greift die Gedanken und Meinungen anderer auf, aber sie selbst bleibt dabei leider recht blass. Ich war mir oft nicht sicher, wie sie eigentlich dazu steht und was ihre Gedanken sind. Sie wirkt sehr passiv und ist selbst nur selten aktiv, was mich ein wenig gestört hat. Sie ist eine Beobachterin der Handlung, wie auch der Leser. Daher wird man mit der Geschichte auch nicht wirklich warm, denn wenn beide beobachten, geht es nicht in die Tiefe und Emotionen können nicht gut übertragen werden. Vermutlich ist dies auch der Grund, weshalb ich mich größtenteils durch das Buch zwingen musste. Es plätscherte so vor sich hin.
Auch die anderen Charaktere, bleiben eher auf Abstand und scheinen in ihrer ganz eigenen Welt zu leben. Dabei sind zum Beispiel die Eltern der Ich-Erzählerin sehr interessant, doch auch ihre Handlungen verlaufen ins nichts. Irgendwie scheinen sie alle für sich zu leben und obwohl sie Familie, Freunde und Bekannte sind, haben sie keinen Draht zueinander. Es wirkte alles sehr emotionslos. Gerade im Hinblick auf die Themen hätte ich mir mehr Gemeinschaft und Zusammenhalt gewünscht - obwohl das kühle miteinander sicherlich auch die kritischen Themen, wie oben erläutert, unterstreichen sollen.

Der Schreibstil des Buches aber kann ganz deutlich überzeugen. Er ist detailreich, atmosphärisch und bildhaft. Er trägt viel zu Atmosphäre, der Melancholie, bei und zusammen mit weniger Handlungssträngen und mehr Fokussierung auf ein Thema, hätte aus dem Buch etwas ganz Besonderes werden können. 

Fazit
Swing Time hat zu Beginn einen interessanten Start hingelegt, flachte aber mit der Zeit deutlich ab. Die Handlungsstränge waren einfach zu viele und manche verliefen ins Leere. Hier hätte man sich mehr auf ein Thema, oder vielleicht auch zwei, konzentrieren sollen. Die Intention der Autorin war vermutlich die Unterschiede in der Gesellschaft aufzuzeigen - aber irgendwie war ich mir auch bis zum Schluss nicht sicher, wohin  die Reise gehen soll und was der Grund für die Handlung ist. Es bleibt etwas rätselhaft. Es gab Kritik an gesellschaftlichen Themen, die aber nur angekratzt wurden und oft nur oberflächlich behandelt. Leider wurde hier das Potenzial verspielt. Es wäre durchaus mehr möglich gewesen. Schade!

Tatsächlich hat das Buch sehr gemischte Stimmen bekommen. Entweder eher eine etwas enttäuschte, wie auch meine, oder aber sehr begeisterte Bewertungen. Daher lohnt es sich, noch andere Rezensionen anzuschauen.


WEITERE REZENSIONEN ZUM BUCH

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Swing Time
Autorin: Zadie Smith
Verlag: Kiwi Verlag
Übersetzung: Tanja Handels
Seitenanzahl: 640 Seiten
ISBN: 978-3-462-04947-3
Preis: 24,00€ (Hardcover), 12,00€ (Taschenbuch)
Erscheinungstermin: 17.08.2017

Klappentext:
Beim Tanzunterricht lernen sich zwei kleine Mädchen kennen und werden Freundinnen. Beide träumen davon, Tänzerinnen zu werden. Doch nur die eine hat Talent. Die andere hat Ideen: über Rhythmus und Zeit, über schwarze Haut und schwarze Musik, über Stammeszugehörigkeit, Milieu, Bildung und Chancengleichheit.

Als sich die beiden Mädchen zum ersten Mal begegnen, fühlen sie sich sofort zueinander hingezogen. Die gleiche Leidenschaft fürs Tanzen und für Musicals verbindet sie, doch auch derselbe Londoner Vorort und die Hautfarbe. Ihre Wege trennen sich, als Tracey tatsächlich Tänzerin wird und erste Rollen in Musicals bekommt. Ihre Freundin wiederum jettet als Assistentin der berühmten Sängerin Aimee um die Welt. Als Aimee in Afrika eine Schule gründen will, reist sie ihr voraus und lässt sich durch das Land, in dem ihre Wurzeln liegen, verzaubern und aus dem Rhythmus bringen.

Dieser grandiose Roman von Zadie Smith, der in den USA und in Großbritannien von Presse und Publikum gefeiert wird, erzählt am Beispiel zweier Freundinnen vom Siegen und Scheitern, vom Beginnen und Enden.

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